Yoga for Future – gemeinsam inspirieren und ermutigen!

„Yoga for Future“ ist eine deutsche Onlinepattform, die von Hardy Fürch und Gudrun Komrey 2019 gegründet worden ist. Ziel dieser Initiative ist es, mit Yoga auch Stellung zu unserer Welt und deren Problemen zu beziehen bzw. Haltung zu zeigen. Alexandra Eichenauer-Knoll hat mit ihnen Kontakt aufgenommen.

 

Ich habe letztes Jahr mit dieser Initiative Kontakt aufgenommen, einen Artikel für deren Website geschrieben und bin jetzt in einem Team von vier Leuten, die kontinuierlich zu Onlinetreffen einladen. Ich mache das, weil ich es eine großartige Gelegenheit finde, Yogin_is zu treffen, die ähnlich denken wie ich und gemeinsam trotz großer räumlicher Distanz (Gudrun in der Normandie, Nico in München, Hardy in Köln und ich in Hainfeld) Ideen zu entwickeln. Nähe, Wärme, Begeisterung und Respekt sind spürbar, auch wenn wir alle nur vor dem leidigen Computerkastl sitzen.

Hardy Fürch war früher schon politisch tätig und auch viele Jahre im Vorstand des BDY, Gudrun wiederum hat in jungen Jahren die TAZ (eine überregionale Tageszeitung aus Berlin) mitbegründet, ist ebenfalls Yogalehrende und hat lange Vorerfahrung als Kommunikationsfachfrau.

Auf der Website https://www.yoga-for-future.com/ steht: „Hier können wir als Branche vorbildhaft und deutlich zeigen, dass wir eben nicht nur Innerlichkeit, Weltabkehr und Rückengymnastik anbieten, sondern viel, viel mehr und erläutern, warum das heute besonders wichtig und wertvoll ist.“

Alles braucht Zeit und Konsequenz, auch das Nachdenken über unser Position als Yogalehrende in der Gesellschaft. Ich bin derzeit die einzige Österreicherin und würde mich über weitere interessierte Landsleute freuen. Falls Euch diese Initiative anspricht, registriert Euch auf der Website für den Newsletter. Dann bekommt Ihr die Termine zugesandt. Wer Zeit und Interesse hat, kann sich gleich für die nächste Veranstaltung bei Gudrun anzumelden. (Der Vorteil von online: so kann man sich von überallher, also auch aus einem Urlaubsort, zuschalten.)

Das nächste Onlinetreffen: SO, 11. Juli, 19 – 21 Uhr

Thema: Strukturelle Gewalt, welche Position kann Yoga dazu beziehen?
Verschiedene Redner_innen werden dazu Impulse liefern. Mehr Infos.
Anmeldung bei Gudrun Komrey: info@yoga-for-future.de

 

Ein paar anregende Beispiele

Ich möchte Euch nun von unserem letzten Treffen am 6. Juni 2021 erzählen. Wir hatten uns vorgenommen, über Projekte zu berichten, die wir bereits organisiert hatten.

 

Kostenloses Yoga für alle

Gesa Hasebrink berichtet von einem Yoga-for-Future-Projekt in Freiburg. Sie hat dort jeden Freitagmorgen von halb acht bis acht eine halbe Stunde lang kostenloses Yoga im öffentlichen Raum (in einem Park) angeboten (www.vom-guten-umgang.de). Ziel war es, viele Menschen niederschwellig zu erreichen – und eben auch Personen, die sonst nicht in einen Yogakurs gehen würden.
Mittlerweile ist das Projekt in die größere Initiative „Yoga im sozialen Raum“ eingeflossen, bei der sich einige Yogalehrer_innen zusammengeschlossen haben, um die Chancen und Möglichkeiten im sozialen Raum zu teilen. Man denkt an geflüchtete Menschen, ältere und isolierte Personen, und auch an Obdachlose, die sich ohnehin viel im öffentlichen Raum aufhalten müssen. Lokale Institutionen (Katholische Akademie und Bürgerstiftung Freiburg) zeigen sich an dem Projekt interessiert. Durch diese Kooperationen öffneten sich neue kostenlose Räume für weitere Angebote. Ich finde das eine großartige Initiative – naheliegend, niederschwellig und sozial.

 

Yoga und Erinnerungskultur

Diana Ivanova und Heike Thüner-Riekenbrauck erzählten von einem Projekt, das gerade in den Startlöchern steckt: „Earth Yoga Collective“. Drei Yoginis, Eva Kieselbach ist die Dritte, wollen sich an ungewöhnlichen, auch vergessenen, Orten in Bonn treffen, um dort Yoga zu praktizieren. Die Stunden sollen individuell und entsprechend der dem Ort eigenen Energie gestaltet werden, es gibt also keine fertigen Konzepte. Die drei möchten dafür Kraftplätze auswählen, aber auch schwer historisch belastete Orte, wie einen Birkenhain, wo an die im NS-Euthanasieprogramm ermordeten Kinder erinnert wird. Heike: „An Kraftorten treten wir in Verbindung mit den heilenden Kräften der Natur, und den Energien, die hier besonders stark fließen. Mit Yogaübungen öffnen wir uns noch weiter dem Potenzial des Ortes und erleben durch die innere und äußere Verbindung Stärkung und Heilung. An den schwierigen Orten ist es uns möglich, durch Achtsamkeit und Bewusstheit, diesen Orten etwas zurückzugeben und mit der im Yoga aufgebauten Energie positiv Einfluss zu nehmen. Heilung kann nur stattfinden, indem wir mit diesen Stellen in Berührung kommen. Uns geht es um Achtsamkeit und Bewusstheit, nicht um Leistungen, deshalb sind unsere Yoga-Stunden für jeden geeignet, unabhängig von Alter und Vorerfahrung. Wichtig ist uns dabei auch, nach jeder Stunde Zeit für Austausch zu lassen.“

Das finde ich auch noch interessant: Diana Ivanova hat als Spezialistin für traumasensibles Yoga an der Aufarbeitung von kollektiven Traumata ein besonderes Interesse und auch in ihrem Beruf als Journalistin hat sie sich auf Themen wie Gedächtnis, Trauma und kollektive Erinnerung spezialisiert.

Derzeit läuft die Organisation über Mundpropaganda und Netzwerke, es gibt noch keine Website.

 

Yoga-Flashmob mit Solar-Grüßen von Yoga for Future vor dem Kölner Dom anlässlich eines weltweiten Klimastreiktags von Fridays for Future, Anleitung Hardy Fürch. Foto: privat

Yoga – Flashmob

Hardy Fürch berichtet uns dann von einem Flashmob in Köln, den er als Teil einer großen Fridays-for-Future-Demo für Yoga-for-Future organisiert hatte. Geübt wurde ca. 25 Minuten lang ein „Sonnengruß für Solarenergie“. Damit konnte er auf die Initiative Yoga-for-Future aufmerksam machen und schaffte es sogar als Aufmacher in die Regionalnachrichten des WDR. Über diese Aktion wurden wiederum die Kölner „Grünen“ aufmerksam, für die er dann einen weiteren Flashmob für den Kommunalwahlkampf organsierte.


Mit Yoga politisch aktive Menschen unterstützen

Inzwischen ist Hardy Fürch in einer eigenen Yoga-for-Future-Gruppe bei den Kölner „Grünen“ aktiv. Eine Mitstreiterin wird demnächst wahrscheinlich sogar in den Bundestag einziehen. Ein Anliegen der Gruppe ist es, zu überlegen, wie Yoga politisch aktive Menschen unterstützen kann – körperlich, psychisch und ethisch. Ein wichtiges Thema! Mir fällt gleich unser ehemaliger Gesundheitsminister Rudi Anschober ein, der offensichtlich völlig erschöpft vor kurzem seinen Rücktritt erklären musste. Ich hätte ihm mehr Yoga von Herzen gegönnt!

Noch zwei medientechnische Tipps von Hardy: 1. Bringe deine Botschaft so knapp und griffig wie möglich, denn länger als wenige Sekunden wird ein Filmbeitrag in den Fernsehnachrichten selten. 2. Schreibe deine Botschaft auf einen großen und möglichst professionellen Banner, so wirst du am ehesten gesehen!

 

Die Aktion Slow-Down, angelegt als einstündige Gehmeditation in der Münchner Fußgängerzone. Foto: Horand Thönges

Gehen für einen weltweiten Wandel
Der nächste Bericht kam von Nico Raabe. Sie erzählte über eine einstündige Gehmeditationen, die sie in der Münchner Fußgängerzone insgesamt sechsmal veranstaltet hatte. Dazu inspiriert hatte sie der vietnamesische Meditationslehrer Thich Nhat Hanh, ein Meister der Achtsamkeit und politisch denkender Mensch. Das Motto der angemeldeten Veranstaltung lautete: „SLOW DOWN NOW. We care about future.“ Rückblickend ist Nico begeistert über die innere Wirkung der Gehmeditation trotz des ungewöhnlichen Settings. Allerdings hätte sie sich mehr Teilnehmer_innen gewünscht. Sie merkte, dass sich viele scheuten, im öffentlichen Raum eine andere Haltung zu beziehen und somit aufzufallen, in diesem Fall durch Langsamkeit und Stille.

Eigentlich seltsam, denn das ist ja wohl das Harmloseste, was man im öffentlichen Raum als Protest tun kann, oder? Wohl nur scheinbar. Mut braucht es allemal! Ich finde jedenfalls, eine solche Gehmeditation ist eine sehr schöne Idee und ein guter Einstieg, um auch im öffentlichen Raum sichtbar zu werden und Position zu beziehen.

Kritik am unreflektierten Flugkonsum der Yogaszene

Slow down – das Motto empfiehlt Nico Raabe auch für das Reiseverhalten von Yogapraktizierenden. Daher entwarf die Münchner Yogini, die in ihrem zweiten Brotberuf als Kunstpädagogin arbeitet, ein Logo, mit dem sie auf das problematische Flugverhalten der Yogaszene hinweisen möchte. Anstoß dafür war ein Yoga-Workshop, wo sie auffallend viele Geschichten von Teilnehmer_innen über Urlaube in Übersee-Yogaressorts zu hören bekam. Ihr Motto lautet seit damals: „Wir bleiben am Boden!“ Sie hat das Logo auf ihre Website gestellt, zum freien Download für jede und jeden, der diesen Gedanken unterstützen möchte. Nico machte mir bewusst, dass wir uns zwar einerseits Veränderung wünschen, uns andererseits aber scheuen, wenn wir selbst davon betroffen sind. Und Yogaübende sind da wohl auch keine Ausnahme. Lifestyle wirkt stärker als Moral. Die Yogaszene boomt und die Tatsache, dass eine Auszeit in einem Yogaressort am anderen Ende Welt möglicherweise ökologisch bedenklich ist, wird ungern kritisch hinterfragt.

Wann wird die Wahrheit leichter verträglich? Hoffentlich dann, wenn wir die Yoga-Ethik wirklich in ihrer existentiellen Bedeutung durchdacht und verstanden haben.

 

Die Yogaethik hilft uns, Unangenehmes klar auszusprechen

Nun komme ich zum letzten Beitrag unseres Treffens, zu meinem eigenen. Ich sprach über die Möglichkeiten, die man als Yogalehrende hat, Menschen zu erreichen und ihnen die Ethik des Yoga, gleichsam wie Samenkörner, zu vermitteln: in unseren Kursen, in Vorträgen, Videos, Blogs, Zeitungsartikeln, Interviews oder vielleicht sogar in einem Buch. Das sind alles Medien, über die Yogalehrende kommunizieren, nicht täglich und nicht alle, aber doch sind es Möglichkeitsräume, wo wir Menschen erreichen können. Als Beispiel gab ich ein Video, das ich unlängst mithilfe meines Sohnes gestaltet habe. Darin sprach ich u. a. im Zusammenhang von Asteya über Korruption, welche auch als Diebstahl am Volksvermögen ausgelegt werden kann. Es ist wichtig, dass wir die Sutren zeitgemäß interpretieren können. Sonst sind sie uns keine Hilfe. Ich möchte jedenfalls in einem Land leben, wo Korruption als unmoralisch gilt und nicht als beispielgebend. Die Yogaethik hilft mir, dieses Anliegen klar und deutlich auszusprechen.

Ich bin davon überzeugt, dass die Yamas, wie Verhaltensempfehlungen für unsere Weltbeziehungen, helfen können, zu allen wesentlichen Fragen Stellung zu nehmen. Sie sind also grundlegend. Schließlich stehen sie ja auch auf der ersten Stufe des Achtfachen Pfades. Sie gründen uns in einer Position und gleichzeitig sind sie auch visionär bzw. richtungsweisend. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass wir als Lehrende davon wirklich restlos überzeugt sind.

Ich bin von den Yamas überzeugt, auch, weil ich sie als prozessorientiert verstehe. Sie sind Handlungsempfehlungen für Begegnungen, vor allem mit Menschen, aber auch für den Umgang mit Tieren und der Natur. Es geht mir um diesen lebenslangen Prozess des friedvoller, wahrhaftiger, respektvoller, gemäßigter und kooperativer Werdens. Dafür lässt sich auf der Matte einiges üben. Und darum sind wir Yogalehrende auch gefordert, nicht nur Asana- und Pranayamapraxis, sondern auch Ethik, zu vermitteln.

Wenn wir es dann auch im Alltag schaffen, dass gewaltbesetzte Situationen friedlicher werden oder wenn es gelingt, uns auf Verbindliches zu verständigen, trotz scheinbar diametral entgegengesetzter, betonharter Meinungen, dann passiert Wandlung, dann passiert Grenzüberschreitung.

So gesehen, sind die Yamas für mich auch ein Potential für tiefe spirituelle Erfahrung, auch wenn sie ganz am Anfang des Weges stehen.

Wer Lust bekommen hat, mit uns weiter zu denken, ist bei Yoga-for-Future herzlichst willkommen!

 

Alles Liebe, Alexandra Eichenauer-Knoll

Feedback und Fragen bitte an: kontakt@vyana.at

 

 

Zum Ausklang noch

eine Perle aus dem Zoom-Chat der letzten Veranstaltung, ein Input…

 

… von Gesa zu Alle (7:46 PM)

Wir werden ruhig – und nehmen uns wahr.

Wir atmen – und verbinden uns über die Luft miteinander.

Wir dehnen uns – und finden den Mut hinzuschauen.

Wir bewegen uns – und locken die Lebendigkeit.

Wir spüren unsere Kraft – und geben ihr eine klare Ausrichtung.

Wir entspannen uns – und lassen los, was wir nicht brauchen.

Wir werden flexibel – und öffnen uns für das noch Unbekannte.

Wir werden still – und lassen den Raum für ein neues Sein entstehen.

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