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Achtsamkeit stärkt Sozialkompetenz

Günter Pock ist Yogalehrer BYO/EYU und hat in Wien das Opens external link in new windowInstitut MBED gegründet.  2016 hat er auf der Yogamesse im Wiener Museum für Angewandte Kunst einen Vortrag für Yoga Austria gehalten. Das Thema lautete „Achtsamkeit als Management Qualität“.

Wir möchten daher an dieser Stelle nochmals allen, die den Vortrag nicht besucht haben, die Gelegenheit zu einer Vertiefung dieses Themas bieten. Die Fragen stellte Alexandra Eichenauer-Knoll.

Lieber Günter, warum ist Dir das Thema Achtsamkeit in Unternehmen so ein Anliegen?
Günter Pock: Nachdem in den letzten Jahren der Erfolgsdruck auf Unternehmen stetig gestiegen ist, kann man auch die negativen Auswirkungen schon klar erkennen. Da ist einerseits das Stress Thema und seine Folgen wie Burn-Out etc. Unternehmen können eigentlich kein Interesse haben, dass Arbeitnehmer krank werden, weil neben dem persönlichen Leid auch die Produktivität sinkt und natürlich auch Mehrkosten entstehen. Andererseits haben Führungskräfte viel weniger Zeit für die Mitarbeiter und verlieren dabei den notwendigen sozialen Kontakt aus den Augen. Dadurch sind Mitarbeiter mit ihren Chefs immer unzufriedener, wie Studien belegen. Die Unternehmenskultur des Miteinanders leidet dadurch und es kommt zu sozialen, unternehmensinternen Spannungen. Die Auswirkungen liegen auf der Hand, z.B. schlecht funktionierende Arbeitsabläufe und innerliche Kündigung.
Unternehmen müssen einfach mehr auf die Sozialkompetenz der Mitarbeiter bauen, um weiterhin erfolgreich zu bleiben. Und da kann man mit Achtsamkeitstraining gut in die richtige Richtung steuern!

Du hast dafür ein eigenes Programm entwickelt, wie kam es dazu?
Günter Pock: Wie bei vielen anderen Leuten ist bei mir der Arbeitsstress ein Auslöser gewesen. Als Projektleiter sollte ich immer verfügbar sein. Sogar im Urlaub war ich fast mit der Firma verheiratet. Das Umschalten von Anspannung in „Urlaubs-Feeling“ hat nicht funktioniert, weil die Gedanken an das jeweilige Projekt und die dadurch aufkommenden Emotionen nicht einfach mit einem Fingerschnippen wegzubekommen waren.
Ein anderes „Aha“ Erlebnis war, dass mein damaliger Chef mir zwar zuhörte, aber nicht wirklich bei mir präsent war, weil er mit seinem eigenen Arbeitsdruck klarkommen musste. Dadurch leidet die Empathie, die für Führungskräfte so wichtig ist, um erfolgreich zu führen.
Das war der Anfang, um für mich persönlich entgegenzusteuern und ich habe mit Achtsamkeitsmeditation begonnen. Nach einigen Wochen Training konnte ich schon die ersten Auswirkungen spüren. Es gelang mir das Umschalten von Anspannung in den „Urlaubs-Modus“ viel schneller und ich konnte auch meinen Projektmitarbeitern besser zuhören und mich besser einfühlen. Dadurch war das miteinander Arbeiten viel besser, was sich auch positiv auf das Projektergebnis niederschlug.
Natürlich habe ich mich nach einiger Zeit gefragt, ob ich das mit professioneller Ausbildung noch besser ausbauen kann. Das war der Punkt, an dem ich die Yogalehrer Ausbildung BYO/EYU bei Erika Erber angefangen habe. Die Inhalte aus der Ausbildung und meine tägliche Erfahrung mit dem Achtsamkeitstraining haben mich bewogen, ein eigenes Programm zu entwickeln.

Kannst Du das kurz beschreiben. Wie wird konkret geübt. Im Unternehmen oder zu Hause?
Günter Pock: Ich glaube, es ist wichtig auch zu sagen, dass ein bisschen hinsetzen und zusätzlich ein paar Achtsamkeitsübungen im Alltag, wie achtsam Essen, Duschen, etc. zu wenig ist, um wirklich die Vorzüge des Achtsamkeitstraining zu spüren. Diese sind u.a.: Gutes Stresshandling, guter und erholsamer Schlaf, Steigerung der Empathiefähigkeit und Authentizität, höheres persönliches Wohlbefinden und mehr Glücksmomente genießen können. Dazu braucht es Ausdauer und Durchhaltevermögen, um das tägliche Training durchzuhalten und nicht vorzeitig aufzugeben. Der Schlüssel dazu ist, die richtige Motivation für das Training aufrecht zu erhalten. Deswegen ist die erste Phase in meinem Programm die richtige persönliche Motivation zu finden, um die Ausdauer für das Achtsamkeitstraining zu behalten. Die nächsten Phasen sind dann natürlich die persönliche richtige Sitzposition und unterschiedliche Achtsamkeitstechniken in der Meditation. Grundsätzlich kann zu Hause geübt werden, aber in der Gruppe in der Firma ist die Motivation dabei zu bleiben, höher. Geplant ist, dass im Unternehmen die unterschiedlichen Fähigkeiten erlernt und reflektiert werden und zu Hause geübt wird.

Wieviel Anteil Yoga ist in dem Programm enthalten?
Günter Pock: Nachdem in den Anfängen des Yoga die Meditation Hauptbestandteil war und erst in den letzten Jahrzehnten im Westen eine Trennung zwischen Asana Praxis und Meditation Einzug gehalten hat, besteht mein Programm hauptsächlich aus Yoga Aspekten. Zusätzlich sind im Programm noch Aspekte des neurolinguistischen Programmierens zu finden. Hauptsächlich bei Visualisierungsübungen und Motivationsstrategien.

Kann man mit ausschließlicher Yogapraxis auch Achtsamkeit üben oder warum Deiner Meinung nach nicht?
Günter Pock: Wenn du mit Yogapraxis die Asana Praxis verstehst, dann ist in meinem Programm die Asana Praxis integrierter Bestandteil. Einerseits um die Sitzfähigkeit zu fördern. Andererseits um die Achtsamkeit in der Asana Praxis zu vertiefen.
Die Wechselwirkung Geist und Körper ist mir dabei schon wichtig. Nur mit Asana Praxis (also umgangssprachlich Yoga) die Qualität an Achtsamkeit zu erreichen, ist wahrscheinlich möglich, würde aber viel mehr Zeit erfordern.

Wie kann man Entscheidungskräfte motivieren, die MitarbeiterInnen für so einen langen Prozess freizustellen?
Günter Pock: Also von Freistellung kann man nicht sprechen. Es geht vielmehr darum, ein bis zweimal pro Woche neue Fähigkeiten zu üben und zu reflektieren. Der Zeitaufwand ist vergleichbar mit einem Yogakursangebot im Unternehmen.

Wird jede Schulung evaluiert? Und wenn ja wie?
Günter Pock: Über die Reflektionen passiert eine individuelle Evaluierung schon während des Trainings. Zusätzlich ist das Achtsamkeitstraining schon sehr oft evaluiert worden und es gibt unzählige wissenschaftliche Studien über die positiven Wirkungen.
Wenn es ein Unternehmen wünscht, kann natürlich mit einer Befragung vor und nach dem Training der Erfolg evaluiert werden.

Gibt es dann Nachschulungen, z.B. ein Jahr später? Achtsamkeit nimmt ja auch wieder ab…
Günter Pock: Achtsamkeitstraining kann man gut mit Muskeltraining vergleichen. Es dauert einige Wochen bis sich ein sichtbarer Erfolg einstellt. Dieses Niveau kann dann mit weniger Training gehalten werden oder mit gleichbleibender Trainingsintensität ausgebaut werden. Wenn man aufhört zu trainieren, passiert das Gleiche wie im Muskeltraining. Die Muskeln bilden sich zurück bzw. die Achtsamkeit verringert sich.

Du hast die vierjährige BYO-Ausbildung gemacht, warst gleichzeitig schon im Projektmanagement. Wie hat sich im Laufe dieser Ausbildung und im Laufe dieses doch recht langen Prozesses Dein Achtsamkeitsempfinden, vielleicht sogar Dein Weltbild, geändert?
Günter Pock: Die Achtsamkeit meinem Körper gegenüber ist deutlich gestiegen. Ich höre jetzt mehr auf Körpersignale. Früher war es so: je mehr Stress ich hatte, desto intensiver musste der sportliche Ausgleich sein. Das tat meinem Körper nicht unbedingt immer gut. Mir gelingt es jetzt gut, fokussiert das zu tun, was ich gerade tue. Das erhöht den Zufriedenheitsfaktor sehr.
Das war letztendlich auch der Grund, warum ich den Projektleiterjob aufgab. Zurzeit nimmt ein Großteil meiner Zeit meine Lehrertätigkeit Anspruch.

Wie kommen die Kunden zu Dir?
Günter Pock: Für aktive Akquisition bleibt derzeit leider wenig Zeit über. Aber über Anfragen von Unternehmen, z.B. über meine Homepage, freue ich mich immer. Ab Sommer werde ich auch hier noch professioneller werden. Ein wichtiger Lernerfolg für mich war, mehr Geduld zu haben und nicht alles gleichzeitig zu machen, sondern „step by step“.

 

Achtsamkeit, Günter Pock, Yoga