Tipps für den Zoom-Unterricht

Wibke Schindler ist Zoom-Trainerin und daher derzeit äußerst vielbeschäftigt. Trotzdem konnte sie von Yoga Austria-BYO für ein weiteres zweiteiliges Weiterbildungsseminar (20.03. und  24.04.2021) gewonnen werden. Vorab stellte ihr Alexandra Eichenauer-Knoll schon ein paar Fragen.

 

Alexandra: Zoom ist ja ursprünglich ein Videokonferenztool. Was ist speziell bei Zoom in Kombination mit Yoga, was bringt also der Yoga da an neuen Aspekten rein?

Wibke Schindler: Unser Yogaunterricht lebt vom Miteinander, von der Atmosphäre und den Gerüchen in einem Raum, von den Stimmungen und Schwingungen um uns herum. All das geht ein Stück weit verloren, wenn wir uns virtuell begegnen. Was können wir als tun, um auch online ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen und unsere Schüler:innen zu erreichen und dort abzuholen, wo sie gerade stehen? Das sind Fragen, die wir in den Seminaren thematisiert haben und weiter vertiefen wollen. Dies ist sicherlich eine Besonderheit gegenüber Theorieseminaren oder Sportgruppen.

Welche Wünsche oder Fragen wurden beim letzten BYO-Seminar gestellt? Gab es überraschende Fragen? Oder sind es eh immer die gleichen Probleme? 
In der Regel sind es sehr ähnliche Fragen, die immer wieder gestellt werden: Wie kann ich selbst als Yogalehrer:in präsent sein, gut gesehen und gehört werden? Was kann ich bei Mikro- und Kameraeinstellungen beachten, damit eine gute Qualität gegeben ist? Gibt es Empfehlungen für Headset, Kamera, Beleuchtung? Und auch die Frage nach der (Daten-)Sicherheit kommt immer wieder auf. Ich selbst gehe mit dieser Frage recht entspannt um. Zum einen haben alle Anbieter von Onlineplattformen in den vergangenen Monaten kräftig nachgerüstet, was die Datensicherheit angeht und zum anderen ist in meinen Kursen jeder herzlich willkommen, auch wenn er sich versehentlich in meinen virtuellen Raum verirrt hat (was heutzutage im Grunde nicht mehr vorkommen kann). Selbst wenn mal ein:e Teilnehmer:in dabei sein sollte, die niemand kennt und wo wir vielleicht auch nur ein schwarzes Feld sehen ohne Namen ohne VIdeo, dann habe ich als Host (Moderator) des Meetings immer die Möglichkeit, diesen Teilnehmer:in wieder zu entfernen.
Zusätzlich zu den Themen, die wir in den ersten beiden Schulungen bearbeitet haben, kamen Fragen zur Didaktik und Methodik im Online Yogaunterricht auf. Wie kann ich einen Kurs oder auch ein Theorieseminar ansprechend gestalten, so dass es nicht zu anstrengend wird und sich alle wohl und sicher mit der Technik fühlen. Hierauf werden wir im Folgekurs am 20.03.2021 eingehen. Am 24.04. ist nochmals ein Seminar geplant, um die Themen zu vertiefen. Was hat bisher gut geklappt? Was hat sich verändert? Wo sind noch Fragen offen?

Was hat sich technisch bei ZOOM in den letzten Wochen und Monaten weiter entwickelt? Gibt es Trends?
ZOOM hat von Beginn an die Möglichkeit geboten, sehr unkompliziert in Kleingruppen arbeiten zu können, sog. Breakout-Sessions. Dies hat sich bewährt und wurde in der Anwendung noch verfeinert. So kann ich z. B. die Gruppenräume themenspezifisch umbenennen, bereits vor meinem Seminar einrichten und Teilnehmende zwischen den Räumen wechseln lassen. Nach wie vor bietet ZOOM die größte Stabilität auch bei einer schwachen Internetverbindung. So haben wir hier eine gute Chance, dass auch Schüler:innen mit weniger gut ausgebautem Netz unseren Kursen gut folgen können.
Weiterhin spricht aus meiner Sicht für ZOOM, dass wir bis zu 50 Personen gleichzeitig auf einem Bildschirm sehen können. Hier hilft natürlich ein größerer Monitor, damit ich wirklich alle gut sehen kann. Gerade bei Einheiten, in denen es auch zu einem Austausch kommt, ist es immer schön, wenn sich alle sehen können.
Darüber hinaus bietet auch ZOOM die Möglichkeit einen virtuellen Hintergrund auszuwählen, oder diesen zu „vernebeln“, so dass wir das evtl. vorhandene heimische Chaos im Hintergrund unseres Wohnzimmers nicht preisgeben müssen 😉
Besonders beliebt zur Weihnachtszeit, zu Fasching oder zu Ostern sind virtuelle Verkleidungen. So kann man beispielsweise mit Nikolausmütze, Hut & Schnurrbart oder Heiligenschein Yoga praktizieren oder an anderen Seminaren teilnehmen.

Welche praktischen technische Nebeneffekte, die ein persönlicher Kurs nicht bietet, gibt es, Aufnahmemöglichkeit, Vortrag? Wird das im Yoga genutzt?
Ein praktischer Nebeneffekt ist tatsächlich, dass Yogakurse per Mausklick aufgezeichnet werden und unkompliziert zur Vefügung gestellt werden können. Diese Anfragen kommen sehr häufig von Schüler:innen, da sie vielleicht in einem 10er-Kurs einmal nicht live dabei sein können und somit Gelegenheit haben, die Stunde nachzuholen. Ebenso arbeiten immer mehr Yogalehrende mit Aufzeichnungen, die sie dann kostenfrei oder gegen eine kleine Kursgebühr online zur Verfügung stellen. Wichtig ist darauf zu achten, dass bei der Aufzeichnung nur der/die Lehrer:in zu sehen ist, somit ist es auch wieder datenschutzkonform.
Ein weiterer Vorteil ist, dass wir großartige Lehrer:innen ganz einfach als Gast in unsere Kurse und Forbildungen dazuschalten können. So haben wir zum Beispiel die Möglichkeit, regelmäßig Yogaunterricht mit Lehrer:innen aus Indien erleben zu dürfen oder live Gastvorträge zu erhalten, die ansonsten mit einer aufwändigen Reise geplant werden müssten.
Andersherum bietet es uns natürlich auch selbst die Möglichkeit, von überall auf der Welt in die Stunden/Kurse/Weiterbildungen dazuzukommen, unabhängig von örtlichen Gegebenheiten.
Mal eben für zwei Stunden dazukommen? Aus Indien, Australien, Chile, den USA? Kein Problem – wir sind nur einen Mausklick voneinander entfernt! Dem einen wünscht man einen guten Morgen und der anderen eine gute Nacht, je nach Zeitzone. Ich finde das etwas ganz Besonderes und es ist ein wertvoller Austausch möglich.

Ich selbst erlebe es als gewöhnungsbedürftig, aber auch als spannend, mich jetzt selbst zu sehen, es ist wie in einem Spiegel.
Auch hier können wir einen großen Nutzen sehen: Wenn ich mich so sehr von meinem eigenen Bild ablenken lasse, kann ich mich wunderbar in Konzentration und Rückzug der Sinne üben. Es kann aber auch hilfreich sein, sich selbst zu sehen und evtl. kleine Korrekturen einfacher vornehmen zu können. Empfehlung kann auch sein, in der Bildansicht statt der ‚Galerie‘ die ‚Sprecheransicht‘ auszuwählen und auch ‚anzupinnen‘, somit sehen wir uns gar nicht mehr selbst sondern ausschließlich unsere:n Lehrer:in. Damit wirkt es fast wie Einzelunterricht, da ich alle anderen ausblende und mich voll und ganz auf mich selbst und meinen Yoga fokussieren kann.

Welche Ratschläge sind besonders wichtig?

    • Das wichtigste ist aus meiner Sicht sich bewusst zu machen, dass wir als Yogalehrende sicher sind, in dem was wir tun und sich das nicht ändert, nur weil jetzt plötzlich ein Bildschirm zwischen uns und unseren Schüle:innen aufgebaut ist. Im Präsenzunterricht geht ja auch mal etwas schief, glücklicherweise sind wir alle nur Menschen.
      Es darf also mit Mut und Selbstvertrauen in das Vorhaben Online Yogaunterricht gegangen und auch dabei gelacht werden 🙂
    • Die Auswahl eines guten Mikrofons ist schon wichtig, nichts ist unangenehmer, als wenn während der Yogastunde ständig etwas rauscht, knistert, pfeift, raschelt oder abwechselnd zu laut oder zu leise klingt.
      Die Produkte von Sennheiser oder Rode sind hier eine gute Empfehlung. Ob ein Richtmikrofon, ein Konferenzsystem, ein Tischmikrofon oder das klassische Headset ist dabei Geschmackssache und sollte individuell getestet werden. Ich selbst arbeite am liebsten mit einem Konferenzsystem, da ich mich hier frei im Raum bewegen kann und eine gute Tonabnahme habe. Allerdings gebe ich häufig Ganztagstrainings, was sicherlich nochmal andere Anforderungen an die Technik mit sich bringt, als eine Yogaklasse.

Ich selbst arbeite mit gotomeeting, da macht ein Zoom Kurs wohl keinen Sinn, oder?
Da wir sehr spezifisch auf ZOOM-technische Fragen eingehen und ich diese im Detail nicht für alle anderen Plattformen beantworten kann, wäre eine Teilnahme nur bedingt hilfreich.
Dennoch probieren wir ja auch gemeinsam aus, wie wirke ich im Bild, wie klingt meine Stimme über das Mikro, bin ich zu laut, zu leise, was kann ich im Aufbau von Stunden berücksichtigen, etc.
Und das ist dann unabhängig von der Plattform, mit der wir arbeiten. Mir ist der Austausch untereinander wichtig, weswegen es immer auch Gelegenheit gibt, sich in kleineren Gruppen auszuprobieren, hierzu kamen sehr positive Rückmeldungen bislang.

Ich wohne am Land und hier haben wir echt Internetschwierigkeiten. 
1) Tatsächlich bietet ZOOM die beste Stabilität bei schwachen Internetverbindungen.
2) Es gibt Verstärker, die die Internetverbindung unterstützen.
3) Evtl. besteht die Möglichkeit, das WLAN eines Nachbarn zu nutzen, wenn dieser eine bessere Verbindung hat.
4) Wenn möglich wieder auf das gute alte LAN-Kabel ausweichen anstelle der WLAN-Verbindung.
Ansonsten kann das tatsächlich eine Hürde sein, wenn kein Internet, dann leider auch kein Onlineyoga. 🙁

Bitte abschließend noch um eine persönliche Einschätzung: Was wird von ZOOM-Yoga nach Corona bleiben?
Ich könnte mir vorstellen, dass viele Schulen ihr Präsenzangebot erweitern werden und zusätzlich Online-Yoga und auch Streaming-Classes anbieten werden.
Insbesondere von jungen Müttern höre ich immer wieder, dass es für sie ein großer Vorteil ist, online teilnehmen zu können, da das Kind nebenan schläft und sie das Haus nicht zu verlassen brauchen.
Ebenso Geschäftsreisende könnten sich aus ihren Hotelzimmern zur wöchentlichen Yogaklasse einwählen.
Auch die Option, Lehrer:innen aus dem Ausland dazuzuschalten, könnte auch in Zukunft ein besonderer Mehrwert sein, um das Miteinander über die Grenzen hinweg zu fördern.
Gerade, wenn es eine zusätzliche Möglichkeit darstellt und kein alleiniges MUSS, sehe ich die Ergänzung von Onlineangeboten als durchaus zukunftsträchtig an.

Foto: Andrea Thode

Wibke Schindler

Wibke Schindler ist Managementcoach und Sportmentaltrainerin mit dem Schwerpunkt Persönlichkeitsentwicklung, Stressmanagement und Burnoutprävention. Sie begleitet Fach- und Führungskräfte, Teams in Veränderungsprozessen sowie Profisportler in der D-A-CH-Region sowie virtuell in verschiedenen Formaten. Darüber hinaus bildet sie als Lehrtrainerin Trainer/Berater/Coaches im Umgang mit Gruppen aus und hat eine Dozentur an einer privaten Hochschule.

Seit 2010 praktiziert Wibke regelmäßig Yoga, befindet sich derzeit in der vierjährigen Ausbildung zur Yogalehrerin BDY/EYU und ist aktives Mitglied im Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland (BDY). Sie nimmt regelmäßig an Weiterbildungen zu verschiedenen Themen teil, um selbst körperlich und im Kopf in Bewegung zu bleiben.

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