Im Portrait: Dr. Helmut Keibl, Förderer von Yoga Austria BYO/EY

Zu unserem Verband zählen nicht nur Yogalehrende und der Freundeskreis, sondern auch Menschen, die uns als Fördermitglied unterstützen. Dr. Helmut Keibl ist einer davon. Alexandra Eichenauer-Knoll befragte den ehemaligen Gymnasialleiter, der in den Jahren 2006 – 2008 auch Österreich-Delegierter des BMUK für EU-Projekte zum Thema Berufsbildung war, über seine Beweggründe und sein Verständnis von Yoga und Meditation.

Auf dem Foto des Retreats ist Dr. Helmut Keibl der Mann in schwarzem Shirt und ebensolcher Hose.

Lieber Helmut, wieso ist Dir die Qualität der Vermittlung der Yoga-Lehre ein solches Anliegen?
Keibl: Yoga ist eine Lebensweise mit fundierten spirituellen Wurzeln, daher braucht die Vermittlung eine profunde Sozial- und Fachkompetenz in Theorie und Praxis samt permanenter Bereitschaft zur Fortbildung (tapas). Aus einer fernöstlichen Tradition entwickelten sich in den letzten hundert Jahren über Amerika eine unübersehbare Fülle von Yogastilen und Schulen unterschiedlichster Qualität, vom Dreiwochen-Yoga-Zertifikat im Sinne von ´Lifestyle-Erfolgsmodellen´ bis zur absolut fundierten vierjährigen Ausbildung. Die/Der Unterrichtende trägt eine große Verantwortung, besonders auch im Hinblick auf gesundheitlichen Risiken, Achtsamkeitsgebiete wie Gelenke und Faszien…stehen dabei im Brennpunkt! In diesem Zusammenhang erscheint mir das BYO Weiterbildungsangebot:´Yoga und medizinische Grundlagen des heilsamen Übens´ mit Günter Niessen ganz besonders empfehlenswert!

Was ist besonders wichtig in der Vermittlung einer Lehre aus der Sicht der Yoga-Schülerin/des Yoga-Schülers?
Keibl: Achtsamkeit, Authentizität (satya), Verantwortungsbewusstsein, Mitgefühl (ahimsa) sowie Leichtigkeit, Freude und Liebe (brahmaviharas). „Yoga-Unterricht ist ein sich Zuwenden und Seinlassen“ (Eve Kuen). Ich denke, gerade in diesem ´Seinlassen` liegt die große Herausforderung. Loslassen, nicht Anhaften waren auch für mich als ´spätberufener Yogaschüler´ völlig neue Vokabeln, die ich immer wieder aufs Neue versuche zu lernen, zu verstehen, zu üben und zu leben. Doch der Pfad ist steil und mitunter einsam, umso hilfreicher sind ´WeggefährtInnen`, SchülerInnen und LehrerInnen, die das gleiche Ziel beherzigen. Seinlassen im Sinne von ´energetischem Empfinden´ (J.Galuska) zählt zu den wesentlichen Schlüsselqualifikationen, die eine/n qualifizierte/n YogalererIn auszeichnen.

Du hast ein abwechslungsreiches Berufsleben hinter Dir und bildest Dich auch im Ruhestand noch weiter. Was interessiert Dich dabei besonders?
Keibl: Der Frage zur persönlichen Weiterbildung stelle ich als promovierter Erziehungswissenschaftler mein persönliches Motto entgegen: „Education Permanente“. Der Wunsch nach lebenslangem Lernen, das Interesse, neue Kenntnisse zu erwerben und die tiefe Sehnsucht, der Wahrheit ein Stück näher zu kommen kennzeichnen meinen bisherigen Weg. Was mich thematisch zur Zeit besonders fesselt, ist den Buchtiteln meiner aktuellen ´Leseliste´ zu entnehmen. (Anm.: siehe unten)

Die Praxis der Meditation ist Dir schon seit über 30 Jahren vertraut. In welcher Tradition hast Du begonnen und wo fühlst Du Dich heute zu Hause?
Keibl: Meine langjährige Meditationspraxis ist eingebettet in den persönlichen Entwicklungsprozess. Leben bedeutet für mich Veränderung. War ich ursprünglich ein Schüler von Johannes Neureiter, der ein Schüler von Anthony de Mello in Bombay war, so fand ich in den letzten Jahren Heimat im Bhakti Yoga Kontext. Eine Fügung? Eine Begegnung von Bewusstseinsfeldern? Jedenfalls eines der wertvollsten, vielleicht das größte Geschenk meines Lebens.

Du hast auch beim ersten BYO-Yoga-Retreat in Zell am Moos teilgenommen. Wie war Dein Eindruck?
Keibl: Das erste BYO-Yoga-Retreat in Zell am Moos war eine beglückende Erfahrung für mich. Die Empfindung von ´Ananda´ beseelte und begleitete mich an diesen vier Tagen. Ich erlebte unsere meditative Gruppenpraxis, unsere Begegnung im Schweigen in der stillen Meditation als Lauschen nach innen, als Ergründen der schöpferischen Lebendigkeit unserer Seele. Durch das gemeinsame Üben entstand eine nährende Resonanz die dem Gefühl des Angenommen sein und dem wachsenden Wohlwollen zu eigen sind. Ich möchte diese eindrucksvolle Erfahrung gerne weiterempfehlen.

Derzeit arbeitest Du an einem Buch, möchtest du uns darüber schon etwas verraten?
Keibl: Es ist im Status Nascendi. Ich sammle laufend Aphorismen, Texte, Zitate, E-mails, Tagebuchnotizen… In Zell am Moos hatte ich Zeit und Muße in der Nacht ´im inneren Monolog´, vielleicht auch im ´innerer Dialog´ wieder ein Kapitel zu schreiben. Arbeitstitel: „Auf den Spuren des Seins – Lebensbilder – Unterwegs im Dasein“… Einzelne Kapitel als Metaphern zu den Themen wie Geburt, Leben, Liebe, Beruf als Berufung, Yoga als Weg, Der Jakobsweg, Menschen als Wegweiser, Menschen als Wegbegleiter, Rast- und Kraftplätze, Über Liebe und Freundschaft, Zäsuren im Leben, Über den natürlichen Tod… bin ich dabei zu sortieren, später genauer zu definieren, zu strukturieren und auszuformulieren… Unbedingt auch zu reflektieren, auszuloten und neu zu ordnen… Jedenfalls bereitet mir das Lesen und Schreiben große Freude und der Gedanke, Lebenserfahrungen weiter zu geben ermutigt mich, weiter zu machen.

 

Dr. Helmut Keibls Leseliste:

– Die Liebe kommt aus dem Nichts. Wenn sie uns berührt, nehmen wir Gestalt an, Christl Lieben, 2014

– Wahre Liebe lässt frei. Wie Frau und Mann zu sich selbst und zueinander finden, Robert Betz, 2014

– Das Feuer der Weisheit. Die Verbindung von christlicher Mystik und östlicher Weisheit, Swami Abhishiktanada, 2009

– Was unsere Welt im innersten zusammenhält, Hans-Peter Dürr, 2012

– Das Urwort. Die Physik Gottes, Michael König, 2013

– Quantenphilosophie und Spiritualität. Der Schlüssel zu den Geheimnissen des menschlichen Seins, Ulrich Warnke, 2015

– Die Kraft aus dem Schweigen, Lassalle, 2012

– Nach innen lauschen, Richard Stiegler, 2014

– Ohne Schlamm kein Lotos, die Kunst Leid zu verwandeln, Thich Nhat Hanh, 2015

– Vijnana Bhairava. Das göttliche Bewusstsein, Bettina Bäumer 2013

Dr. Helmut Keibl, Fördermitglied

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