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Kum Nye-Üben ist Selbsterforschung

Daniela Arnolds, Yogalehrerin BYO/EYU und Kum Nye-Lehrerin, beschreibt hier, warum sie diese Praxis ergänzend zum Yogaunterricht nicht missen möchte. Am 25. und 26. April gibt es die Gelegenheit, in Yoga MITTE Innsbruck mit ihr im Rahmen eines Workshops Kum Nye zu üben.

Weshalb übe ich Kum Nye?

Ich beschäftige mich schon seit vielen Jahren begeistert mit Yoga – mit den Übungen, aber auch mit der Philosophie dahinter –, ich genieße meine tägliche Praxis und mein Unterrichten und doch gebe ich häufig Kum Nye-Übungen den Vorrang. Ich unterrichte neben Yoga auch Kum Nye und biete in diesem Frühjahr für den BYO einen Workshop an, um andere daran teilhaben zu lassen… Was bedeutet Kum Nye für mich?

Ich habe die Kum Nye-Übungen kennengelernt im Zusammenhang mit Vorbereitungen zur Meditation und war inspiriert von der inneren Ruhe, die diese langsamen und achtsamen Bewegungen in mir ermöglichten. Daher habe ich einige Jahre nach Abschluss meiner Yogalehrausbildung in Innsbruck noch die beiden einjährigen Ausbildungsstufen 1 und 2 im Nyingmazentrum Köln durchlaufen, um Kum Nye genauer kennenzulernen und unterrichten zu können.

Exkurs: Kum Nye wurde von dem tibetischen Lama Tarthang Tulku entwickelt, als er in den 60er Jahren nach Kalifornien kam und für seine westlichen Schüler traditionelle Übungen aus dem tibetischen Gesundheitssystem anpasste. Ku(m) bezieht sich auf den Energiekörper, Nye bedeutet Massage oder Anregung.

Grundlegend ist die Vorstellung, dass wir eine Verkörperung von Energien sind, die ungehindert fließen sollen, damit wir unser volles Potenzial zum Wohle Aller leben können – das ist das Ziel. Der physische Körper ist nicht das Ziel der Übungen, eher der Ausgangspunkt. Kum Nye möchte Bewusstheit und Erfahrung schrittweise vertiefen und integrieren. Zunächst versuchen wir den physischen Körper und auch die Energiezentren zu entspannen: sanfte Aufmerksamkeit und Stille, langsame Bewegungen, feiner Atem. Dabei achten wir auf Empfindungen und Gefühle, spüren sie im Körper, lassen sie sich ausdehnen. Es wird auch der uns umgebende Raum mit in die Wahrnehmung und Ausdehnung einbezogen. Wir üben ohne Bewertung, alle Phänomene sind willkommen.

Die Aufgabe lautet immer wieder im Üben (und Unterrichten): Was kannst Du empfinden, wo im Körper spürst Du es, lass Deinen Atem dies berühren, nimm Kontakt auf, entspanne in Deine Empfindungen hinein, verbinde Dich mit ihnen und gib ihnen Raum… Kum Nye-Üben ist Selbsterforschung.

Kum Nye beeinflusst mein Üben und meinen Unterricht. Ich möchte viele āsanas des Yogasystems nicht missen und begrüße die Achtsamkeit auf den physischen Körper und dessen Grenzen und Möglichkeiten (nicht-verletzen). Aber ich bringe die Ruhe und das Spüren von Kum Nye mit hinein.

Ein wichtiger Ansatz im Kum Nye ist das Üben ohne Bewertung und „ohne Anfang und Ende“, was bedeutet, dass wir letztlich das Spüren und die Aufmerksamkeit mit in unser gesamtes Leben nehmen können.

Sehr spannend ist für mich als jemand, die viel über Kopf und Intellekt erarbeitet und betrachtet, die ständige Aufforderung in Kum Nye, den direkten Kontakt mit den Empfindungen zu suchen. Es geht nicht um die Beschreibung und Etikettierung von Erfahrungen, sondern um das unmittelbare Erleben mit offenen Sinnen.

Die Kunst besteht darin, Denken und Fühlen zu verbinden. Auch in der Lehre von Tarthang Tulku ist der Kontakt zur Weisheit des Universums bereits immer in uns vorhanden, nur halten uns „Gewohnheiten“, die wir im Laufe unseres Lebens entwickeln, vom Spüren des gegenwärtigen Moments und vom Vergegenwärtigen dieser Verbindung zum universellen Wissen ab. Das Üben kann letztlich zur Verbindung führen.

Kum Nye